Reisebericht  5

Ruanda/Kongo.

Herzlicher Empfang bei Pater Domeniek.

Maschinen aus dem Kreis leisten gute Dienste in der Techniker-Ausbildungswerkstatt Goma.

In Butare besuchte die Gruppe zunächst die Genozid-Gedenkstätte.

Von rund 30 000 Menschen der Gemeinde mussten damals 9000 ihr Leben lassen. Viele der vermeintlichen Täter leben heute im Dorfgefängnis. Von den 120 000 in ruandischen Gefängnissen Inhaftierten haben bisher 3000 einen Prozess erhalten. Daher plant die Regierung, die Dorfgerichte wieder einzuführen, doch wann dieses umstrittene Verfahren beginnen wird, ist noch nicht absehbar.

Am nächsten Morgen führte uns Frau Dr. von Örtzen vom deutschen  Entwicklungsdienst durch die Universitätsklinik von Butate, der einzigen  in Ruanda. Besonders die geburtshilfliche Abteilung zeigte die Not dieses Landes. Da diese Situation der Klinik dem Verein " Wir für Ruanda" bekannt war, hatte er etliche medizinische Hilfsgüter mitgebracht. Den Nachmittag nutzte die Gruppe für die Übergabevorbereitungen der ersten zwei Fahrzeuge. Pater Danko war besonders froh über den Kleinlaster, einem Geschenk der Firma Frauenrath. Dieser ermöglicht ihm, die Produkte, die er in der neuen Werkstatt produziert auch auszuliefern. Dass er sich auch noch das Nissan Vierradantrieb-Auto aussuchen durfte, machte ihn stolz und glücklich zugleich.Goma im Osten des Kongos war unser nächstes Ziel. Unterwegs besuchten wir die Schule In Nyanza, Partnerschule der Realschule in Gangelt. Diese hatte im Rahmen eines Schnellaufs über 10000 Mark für Nyanza gesammelt. Der Direktor und auch der Präfekt der Schule baten uns, für dieses Geld Einrichtungsgegenstände für ein chemisch-physikalisch-biologisches Labor zu kaufen. Ohne großen Zeitaufwand erreichte die Gruppe am nächsten Morgen Goma, die mit 200 000 Menschen größte Stadt Im Nord-Kivu. Die Kommunität der Salesianer, bei denen wir während unserer Zeit im Ostkongo unser zu Hause hatten, liegt direkt gegenüber dem Flugplatz von Goma. Dreimal hatte der Verein 1995 und 1996 dort ein Großraumflugzeug mit Hilfsgütern landen lassen. Als wir nun zu den Salesianern kamen, hatte Pater Domeniek, Partner in mehreren Projekten, uns einen großartigen Empfang bereitet. Er zeigte der Gruppe das Institut Technique Industriell Goma, dessen Direktor er ist. Es handelt sich dabei um eine Fachschule zur Ausbildung von Technikern und zur Vorbereitung auf ein Universitätsstudium. Viele Maschinen, die früher einmal in Unterbruch, Dremmen und Hückelhoven standen (gestiftet von den Firmen Frenken, Krings Verbau und Edmunds und Staudinger), leisten nun in dieser Ausbildungswerkstatt wertvolle Dienste.

Gegen Mittag waren wir bei unserem Himbi-Schwestern, die während der Zeit der Flüchtlingstragödie 1994-96 das Lager Himbi geleitet hatten. Schwester Annerose hatte uns vorher das Ernährungszentrum Birere gezeigt das der Verein unterstützt hat. Durch Krieg, Flucht und Vertreibung leben heute in Goma viele Menschen in größter Armut so dass Fehl- und Unterernährung bei Kleinkindern im hohen Maße anzutreffen ist.Anschließend besuchten wir zunächst das Zentrum für Körperbehinderte, das einzige weit und breit überall fehlte es an Material und kompetenter Führung. Der Besuch des Waisen- und Strassenkinderprojektes Ngangi bereitete uns dagegen große Freude. Von Beginn an hatte der Verein dieses Projekt gefördert, und es war wohltuend zu sehen, wie viel gute Arbeit dort geleistet wird. In der Schreinerei ausgerüstet mit Maschinen der früheren Sargfabrik Dohinen aus Dremmen, wurde fleißig gearbeitet. Eine Maschine stand still. Ein defekter Keilriemen, den wir nun ersetzen werden, war die Ursache. Dies zeigt wie hilfreich Projektbesuche sind. Sodann zeigte uns der Bischof von Goma noch das Haus für psychisch Kranke das einzige im Kongo. Leider fehlt hier ein ausgebildeter Psychiater und Neurologe.Der tiefere Grund unseres Besuches in Goma war das Gesuch des Bischofs an den "Verein Wir für Ruanda " ihm beim Wiederaufbau der medizinischen Versorgung im Masisi-Gebiet zu helfen. Dieses Gebiet war bis vor kurzem Kriegs- und Unruhegebiet.Das Krankenhaus in Mweso hätte rund 165 000 Menschen zu versorgen. Ursprünglich waren Ihm noch zwölf 'Clinics' zugeordnet. 1994 musste das Krankenhaus aufgegeben werden, seither gab es fast keine medizinische Versorgung mehr.Mweso ist rund 120 Kilometer von Goma entfernt und liegt In einem Hochtal. Das Krankenhaus - 1981 erbaut mit Geldern von Misereor zeigte eine baulich ausgezeichnete Substanz, jedoch waren fast alle Räume leer. Es wieder auszustatten, wäre eine großartige Herausforderung für den Verein. Für den letzten Tag Im Kongo war eine Fahrt nach Rutschuru geplant. Dort unterhalten polnische Pallotinerinnen ein Ernährungszentrum. Zweimal bereits hatte "Wir für Ruanda" mit einigen Tonnen Milch und Proteinkeksen die lindern können. Aber trotz allem, Dr. Bierbaum hatte sogar Eindruck, dass heute der Zustand gerade der ein- bis zweijährigen Kinder schlechter war,als bei seinem letzten Besuch in Januar.Nach der Rückkehr nach Goma besuchte die Gruppe die  B.0.M., die die kirchlichen Einrichtungen mit Medikamenten und Infusionen beliefert. Am anderen Morgen waren wir bei Caritas Goma zu Gast. 1995 hatte der Verein einen vom Technischen Hilfswerk gespendeten Lkw dorthin verfrachtet, der seitdem Wasserversorgung eines Notgebietes eingesetzt wird. Dank der Pallottiner, die im Gefängnis in Gikondo als Seelsorger arbeiten, bekam ein Teil der Gruppe die seltene Erlaubnis, das Gefängnis zu besuchen. Dort warten rund 7000 Genozidschuldige sechs Jahren auf ihren Prozess, darunter etwa 800 Jugendliche. Haftbedingungen dieser Jugendlichen zu verbessern, ist ein Ziel Vereins. Bälle, Kartenspiele und hunderte Kugelschreiber verteilte die Gruppe sofort.Eine Tonne Schreibpapier und eine Tonne Bücher für die schulische Ausbildung werden bald übergeben.