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Bericht Dr. Bierbaum aus Tansania - 27.08.2000
Von Mombasa aus ging die Fahrt am Donnerstagmorgen mit dreitägiger Verspätung endlich los. Alle Autos waren o.k., die Gruppe froh, munter und gesund. Mit der Likoni-Fähre mußten wir zunächst auf das Festland zurück, denn Mombasa ist ja eigentlich eine Insel. Dann ging es auf einer außergewöhnlich guten Straße die Südküste entlang mit den bekannten Badestränden Nyali, Twini undDiani Beach. Nach rund 80 km erreichten wir die Grenze, die Abfertigung erfolgte problemlos wenn auch zeitraubend. Insgesamt wurden wir in 5 Registrierbüchern verewigt - immer mit großer Akribie und vielen Stempeln.
Nach der Grenze war die Teerstraße zu Ende. Eine holprige Gravel-road mit vielen teils auch erheblichen Schlaglöchern begann, ein Vorgeschmack auf die Straßen, die später folgen sollten. Dafür jedoch wurden wir entlohnt durch eine wunderschöne Landschaft. Palmen entlang des Weges, überall Hütten mit freundlich grüßenden und winkenden Menschen, besonders für die Kinder waren wir eine aufregende Abwechslung. Wir fuhren entlang blühender Gärten und reich angebauter Felder. In den Dörfern wurden immer wieder die verschiedensten Feldfrüchte zum Verkauf angeboten, die leuchtend rote Farbe der Tomaten war oft schon von weitem zu sehen. Alles wirkte auf uns fast romantisch, auch wenn die Armut der Menschen nicht zu übersehen war. Leider brauchten wir viel zu lange für diese Strecke und daher konnten wir unser Tagesziel nicht erreichen. Als es dunkel zu werden drohte, fanden wir schnell ein schönes Gelände, in dem wir völlig ungestört die Nacht verbrachten. Zelte, Luftmatratzen, Schlafsäcke und alles zum Kochen Notwendige hatten wir mit uns. Bald brannte das Lagerfeuer und das gemeinsam vorbereitete Essen schmeckte unter dem gigantischen Sternenhimmel Afrikas ausgezeichnet.
Am nächsten Tag ging die Fahrt weiter nach Moshi am Fuße des Kilimandscharos. Da der Himmel bewölkt war, haben wir diesen gigantischen Berg nur kurz zu sehen bekommen, denn nur einmal gaben uns die Wolken den schneebedeckten Gipfel in seiner ganzen Pracht zum Anschauen frei. Groß war die Gastfreundlichkeit in der Missionsstation der Heilig-Geist-Priester, die neben ihrer Pfarreitätigkeit einen mustergültigen Kindergarten und eine eindrucksvolle Primärschule aufgebaut haben. Die dringend notwendige Erweiterung zu einer Sekundarschule scheitert zur Zeit noch am Geldmangel.Tags darauf teilte sich die Gruppe. Ein Teil wollte in den wunderschönen Aruscha -Nationalpark, andere sich die Stadt Moshi anschauen und ein Stück den Kilimandscharo hochfahren, was im übrigen ein wunderbares Erlebnis war. Die üppige Vegetation, die reiche Landwirtschaft, die gepflegten Häuser und Gehöfte und die Freundlichkeit der Menschen machten dieses Stück Fahrt trotz des Wolkenhimmels zu einem unvergeßlichen Ereignis. Als Treffpunkt war ein Campingplatz im Ort Mto wa Mbu ausgemacht, ganz in der Nähe des Manyara Tierparkes. Und das war gut so, denn zwei unserer Autos verfehlten die richtige Ausfahrt aus Aruscha, was auf Grund kaum vorhandener Hinweisschilder leicht passieren kann. Während wir bisher seit Tanga gute Teerstraßen hatten, waren die letzten 40 km vor Mto wa Mbu in einem sehr schlechten Zustand. Von da an begann eine große Belastung sowohl für die Gruppe als auch gerade für die Fahrzeuge, denn selbst die Schotterstraßen durch die Tierparks waren in einem unerwartet schlechten Zustand. Entschädigt wurden wir durch eine imposante Landschaft, oft mit kilometerweiten Aussichten über die unendliche Steppe, durchzogen von den mehrhundertköpfigen Viehherden der Massai. Diese können wegen ihrer stets roten Decken, mit denen sie bekleidet sind, schon von weitem erkannt werden. Da die Fahrt an einigen Massaidörfern vorbei ging, erhielt die Guppe dadurch bereits einen Eindruck über das ärmliche Leben der Massai. So kamen die letzten erst gegen 20.30 Uhr am Campingplatz nach einer langen Fahrt durch die Dunkelheit an, denn spätestens um sieben Uhr am Abend war die Nacht angebrochen.
Die Wartezeit auf den Rest der Gruppe wurde von den übrigen dazu ausgenutzt, sich den Ort anzuschauen und die katholische Missionsstation zu besuchen. Dort wurde gerade eine neue "Dispensary" aufgebaut, die aber eher als eine Entbindungsstation gedacht ist. Für die 20 000 Menschen rund um Mto wa Mbu steht weder ein Krankenhaus noch ein Arzt zur Verfügung, und so sorgen die Krankenschwestern der Missionsstation für die medizinische Basisversorgung der Bevölkerung. Da die gesamte Dispensary aus örtlichen Spenden finanziert worden ist, zur Zeit aber die Wasserversorgung nicht genügend geklärt ist, versprach Dr. Bierbaum diesbezüglich Hilfestellung zu geben. Zur großen Überraschung stellte sich dann heraus, daß der lutheranische Pfarrer der Gemeinde ein Deutscher aus Thüringen war. Pfarrer Richter, der am späteren Abendzusammen mit seiner Frau die Gruppe auf dem Campingplatz besuchte, berichtetelange von seinen Erlebnissen und Problemen seiner bisherigen dreijährigen Tätigkeit an diesem Ort. Die Tatsache von zu Hause zu wenig unterstützt zu werden, und irgendwie vergessen zu sein, machte besonders seiner Frau sehr zu schaffen. Die beiden Söhne leben in einem Internat in Moshi - einige km entfernt, um dort die internationale Schule zu besuchen. Trotz allen Schwierigkeiten - seine bisherige fünfmalige Malariaerkrankung war für ihn eine Kleinigkeit gewesen - würde er gerne, wenn seine Familie es mitmachen würde, seinen Vertrag mit der Leipziger Mission verlängern.
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