Reisebericht  1

Bericht Dr. Bierbaum aus Mombasa - 17. 08.2000

Die Tage in Mombasa

Transporte in die dritte Welt, besonders aber nach Afrika, sind immer voller Schwierigkeiten. Von den Kolonialherren haben die afrikanischen Bürokraten gelernt, wie man mittels der Bürokratie Politik steuern und private Interessen im Sinne der Korruption durchsetzen kann. Waren doch z.B. bisher in Deutschland Bestechungsgelder steuermindernd absetzbar.
Um all diese Probleme zu vermindern, reisten vier aus unserer Gruppe bereits montags nach Mombasa, während der Rest am Freitag folgte. Ihre Aufgabe war, die Organisation der Freigabe der Autos aus dem Zoll. Außerdem stand noch einContainer mit Hilfsgütern für das Strassenkinderprojekt der Diözese Mombasa im Hafen, dessen Ablöse auch noch geregelt werden mußte.
Während für die Vorhut die Reise nach Mombasa glatt ablief, fing für die Hauptgruppe das Abenteuer bereits mit der Anreise an. So fehlten bei der Ankunft ihn Nairobi bereits 8 Gepäckstücke und Elmar konnte trotz größten Bemühens der restlichen Gruppe nicht mehr mit auf das Flugzeug nach Mombasa. So mußte er eine recht frustrierende, schlaflose Nacht im Flughafen von Nairobi verbringen.

Glücklicherweise trafen in den nächsten Tagen doch die meisten Gepäckstück in

Mombasa ein. Zwischenzeitlich aber hatte die Gruppe den beiden Unglücklichen mit Kleidungsstücke ausgeholfen, so daß die gepäcklose Zeit für die betroffenenFreunde erträglich wurde. Am Dienstagmorgen kam endlich Elmars Rucksack mit allen seinen Habseligkeiten an, das letzte Gepäckstück jedoch blieb bis zum Schluß verschollen.

Durch zähes Verhandeln, täglichen, manchmal mehrmaligem Vorsprechen, stundenlanges Warten, und auch lautem Schimpfen waren wir am Dienstagnachmittag endlich soweit, daß wir die letzten beiden Fahrzeuge im Hafen abholen konnten. Nach vier Stunden wies das Freigabedokument auf der Vorderseite ganze sechszehn Stempel und auf der Rückseite noch einmal drei Stempel auf. Nach dem Herausfahren unseres Busses wurden die Hafentore wegen Feierabend geschlossen.
Man kann sich in Europa kaum vorstellen, wie vielschichtig die Bürokratie in Afrika ist und wieviel Arbeitsplätze von ihr anhängen. Alles jedoch lief immer entsprechend den Regulations-bestimmungen ab.
Doch wenn es irgendwo Fehler gibt, dann werden hier natürlich sofort beide Hände aufgehalten. Überall war man freundlich, meist sogar äußerst zuvorkommend,jedoch durch die afrikanischen Vorstellungen von Zeit und Notwendigkeit, wurden die Geduld der Reisegruppe stark beansprucht. Doch dank einer phantastischen Gruppenzusammenstellung und unserer guten Unterkunft und Verpflegung bei unserem geliebten Bruder Frank und dem durchaus guten kennianischem Bier, waren alle immer guten Mutes . Mit viel Lachen wurden die nervenaufreibenden Wartezeiten überbrückt.
Das zwischenliegende Wochenende wurde intensiv für Projektarbeit genutzt.

Zunächst besuchten wir das Strassenkinderprojekt der Diözese, das seit drei Jahren von WIR FÜR RUANDA unterstützt wird. Mombasa ist voll von Strassenkindern aus ganz Kenia. In der vermeintlich reichen Hafenstadt versuchen bereits Achtjährige aus Not und Armut ihr Glück. Viele von ihnensind Aidswaisen und haben bisher kaum eine Zukunftsperspektive gesehen. Meist sind es Jungs, die bettelnd und auch stehlend sich ihren Lebensunterhalt organisieren, des nachts auf Wellpappe in den Hauseingängen schlafen und manchmal auch drogensüchtig sind.Diese Kinder werden von den Sozialarbeitern der Diözese auf den Straßen angesprochen und mit großen Fingerspitzengefühl allmählich für das Programmgewonnen. In dem Wohnheim der Strassenkindererhalten sie zunächst Unterkunft, regelmäßig Essen und Schulunterricht und später eine dem Landesstandart angepaßte Berufsausbildung. Stückchenweise wird ihnen wieder Selbstvertrauen und Hoffnung gegeben und neue Lebenfreude. Dies zeigt sich, wenn sie wieder anfangen zu singen und zu tanzen, zu lachen und zu spielen. Später werden sie dann alle wieder zurückvermittelt in ihre Heimat, meist wieder in ihre eigene Großfamilie und mit der für ihre Berufsausbildung notwendige Ausrüstung ausgestattet. So konnten bisher rund 1000 Strassenkinder erfolgreich rehabilitiert werden.

Am Sonntag Morgen wurde die Gruppe recht kurzfristig eingeladen zu einem Festgottesdienst nach Bomba, einem Vorort zwischen Mombasa und dem Flughafen.Mit das erste Geld zum Bau seiner Kirche hatte Father Josef in Heinsberg Oberbruch anläßlich seines dortigen Besuches zusammen mit Erzbischof Njengavor drei Jahren aus einer Sontagskollekte erhalten. Wir erlebten dort in der noch nicht ganz fertigen Kirche zusammen mit rund tausend Pfarrgemeindemitgliedern einen Gottesdienst voller Gesang, Trommelspiel und Tanz, der und allen wahrlich unter die Haut ging. Einige von uns meinten anschließend, daß dies wohl der ergreifenste Gottesdienst gewesen sei, den sie in ihrem ganzen Leben mitgemacht hätten. Diese gut zwei Stunden waren so erlebnisreich und anrührend, daß wir alle mit Freude bis zum Ende der Zeremonie geblieben sind. Danach wurden wir von Father Joseph noch zu einem sehr schmackhaften Mittagessen ins Pfarrhaus eigeladen.Am Nachmittag dann besuchte die Gruppe das St. Mary´s Seminar in Kwale,ungefähr 35 km südlich von Momabasa. Nicht weit davon, an der Diani Beach haben bisher tausende unserer Landsleute bereitsihren Urlaub verbracht. Die Wasserversorgung dieser Schule war jahrelang überein Windrad gesichert worden, bis dieses zusammengebrochen ist. Danach mußten die Schüler für eine lange Zeit das Wasser zum Waschen und Kochen über eine weite Strecke in Kannistern heranschaffen. Dank einer Finanzierung in Zusammen-arbeit zwischen WIR FÜR RUANDA und dem Päpstlichen Hilfswerk für Kinder konnte eine neue, nun elektrisch gesteuerte Pumpanlage erbaut werden, so daß jetzt selbst für die Bewässerung des Gartens noch genügend Wasservorhanden ist. Obwohl dies schon vor zwei Jahren erfolgt war, war Pater Josef, der Rektor der Schule, voll Freude und Stolz über das gemeinsame Projekt und dankbar übereinen Verbesserungsvorschlag, den Leo und Bernd ihm nach Besichtigung der Anlage machten. Insgesamt eine gelungenes Projekt.
Am Abend lernten wir zusätzlich noch Bruder John kennen, der in Mombasa das Aidsprojekt der Diözese leitet. Er geht täglich durch die Slums, um die Todkranken zu versorgen, für die es durch die Armut des Landes bedingt absolut keine Hilfe gibt. Er berichtet, dass rund 20% der erwachsenen Bevölkerung an dieser schreck-lichen Krankheit leidet. Und daß die Not von Jahr zu Jahr immer schlimmer wird, denn die okönomisch wichtige Altersstufe der 20 bis 45 jährigen stirbt langsam dahin und übrig bleiben die Kinder und die Alten, um die sich dann niemand mehr kümmern kann.

Der Mittwoch endlich diente zum Einkaufen und zur Vorbereitung und Beladung der Fahrzeuge, denn am anderen Morgen sollte die Fahrt mit nun zweitägiger Verspätung endgültig los gehen. Zum Abend hatte uns jedoch noch der katholische Erzbischof von Mombasa, Monsignore John Njenga, der in den letzten Jahren bereits zweimal zu Besuch in Heinsberg gewesen ist, zum Abendessen ins Bischofshaus eingeladen. Die Stunden mit diesem humorigen, unkomplizierten, menschen-freundlichen und liebensvollen Würdenträger wird allen Mitgliedern lebenslang in Erinnerung bleiben, zeigte er doch allen den grundlegenden Unterschied im Selbstverständnis der katholischen Kirche in Afrika und Europa.