Vulkanasbruch

Die entsetzlichen Bilder, die wir in den letzten Tagen vom Ausbruch des Vulkans Nyiragongo im Osten des Kongos nahe der Stadt Goma gesehen haben, lassen nur einen Teil der Tragödie offensichtlich werden, die in diesen Tagen geschehen ist. Es sind gerade erst sieben Jahre her, als im Rahmen der großen Flüchtlingskatastrophe, bedingt durch den ruandischen Bürgerkrieg, die gesamte Infrastruktur der Stadt zerstört worden ist. Damals lagerten 2 Millionen Flüchtlinge an den Ufern des Kivu-Sees. In jenen Tagen verstarben Tausende an Cholera, Ruhr und Meningitis oder aber an Hunger. An einem einzigen Tag wurden 6000 Menschen mit Bulldozern in Massengräbern verscharrt.
[mehr...]

Damals entstand auch der Verein WIR FÜR RUANDA mit Sitz in Heinsberg, der seither zahlreiche humanitäre und entwicklungspolitische Projekte und Aktionen in diesem Gebiet rund um Goma durchgeführt hat. Dreimal konnte der Verein ein Großraumflugzeug mit Hilfsgütern für die Flüchtlingslager in den Nord-Kivu entsenden, eine Lehrschreinerei im Strassenkinderprojekt Ngangi errichten, das technisches Lehrinstitut ITIG mit Maschinen ausrüsten, Schülerpatenschaften einrichten und verschiedene medizinische Projekte unterstützen. Erst im letzten Oktober waren noch 19 Helfer des Vereins in diesem Gebiet, um ein großes, vor Jahren geplündertes  Krankenhaus – etwa 80 Kilometer vom Vulkan entfernt - zu rehabilitieren, d.h. es wieder mit Strom, Wasser, Betten, med. Einrichtungen und Instrumenten auszustatten und funktionstüchtig zu machen.

Mit all diesen Aktionen war WIR FÜR RUANDA neben der Welthungerhilfe die aktivste deutsche Hilfsorganisation im Osten des Kongos. Und so war es nicht verwunderlich, dass letzte Woche die Ruandische Botschaft in Deutschland den Verein um Unterstützung in dieser Krisensituation bat.Doch was ist geblieben in diesem Inferno von den Projekten des Verein und seinen Partnern? Ziemlich erleichtert konnte Dr. Bierbaum, der Vorsitzende des Vereins, folgendes berichten: Als wir die ersten Bilder gesehen haben, waren wir völlig erschüttert, denn wir mussten davon ausgehen, dass alle unsere Projekte zerstört sein würden. Wie keiner sonst sahen wir mit großem Schrecken an Hand der Bilder, wo der Lavastrom geflossen war, denn Goma kennen wir inzwischen recht gut.

Bilder: Bild, DPA, AP, n-tv

Doch am Wohngelände unserer Partner vom Orden der Salesianer Don Bosco sind, Gott sei Dank, die Lavamassen rund 300 Meter und an ihrem technischen Lehrinstitut rund 500 Meter vorbeigeflossen. Dennoch mussten die Patres inzwischen ihr Haus verlassen, denn durch die enormen Eruptionen wurde die Erde im Hof aufgerissen und aus den Spalten kamen giftige Gase und teilweise lodernde Flammen, so dass das Schicksal des Hauses noch völlig unklar ist. Das technische Zentrum ITIG dagegen ist völlig unversehrt, so dass die Patres ihre Wohnung inzwischen dorthin verlegen konnten.
Die Kinder im Strassenkinderprojekt Ngangi wurden vorsorglich rasch evakuiert und per Boot nach Gisenyi geschafft und von dort nach Kigali/Ruanda gebracht, wo die Salesianer ähnlich Schulen unterhalten. Natürlich war diese Aktion ohne vorherige Genehmigung der Polizei abgelaufen, so dass die Patres inzwischen Besuch von der ruandischen Sicherheitspolizei hatten. Gott sei Dank ist das Zentrum Ngangi bisher von Schäden verschont geblieben und so werden die Kinder später auch wieder dorthin zurückkehren können.
Die Deutschen Schwestern des St. Bonifatius Instituts aus Detmold – ebenfalls Projektpartner – flohen vor dem herannahenden Lavastrom Hals über Kopf und konnten nur ihr Leben und ihre Papiere retten. Sie halten sich jetzt in der Grenzstadt Gisenyi auf und hoffen auf eine baldige Rückkehrmöglichkeit. Die Lavamassen sind direkt auf der Strasse vor dem Kloster
vorbeigeflossen, das Haus ist jedoch nicht  zerstört. Jetzt haben sie vor den Plünderungen Angst, von denen berichtet wird, wobei besonders die kongolesischen Soldaten eine unrühmlich Rolle spielen sollen.
Das neue Zentrum der Pallottiner, mit denen der Verein ein Ernährungsprojekt durchführt, ist völlig von einer hohen Lavamauer eingeschlossen. Morgen sollen die Patres aus ihrem „Gefängnis“ mit Schiffen vom Kivu-See her befreit werden. Über das Schicksal der Pallottinerinnen in den Bergen von Rutshuru konnten wir nichts erfahren, aber wir nehmen an, dass auf Grund seiner Höhenlage ihnen nichts geschehen ist.
Das Zentrum für Behinderte und das Krankenhaus der Diözese jedoch dürften, so wie auch die katholische Kathedrale, das Caritaszentrum und die medizinischen Produktionsstätten für Infusionen und Medikamente des Bistums Goma den Flammen zum Opfer gefallen sein, denn besonders das Zentrum der Stadt ist zerstört worden. Die Universität, viele Schulen, die wesentlichen Geschäfte sind in Schutt und Asche gelegt worden, sowie das baptistische Zentrum, Partner des Vereins bei den Projekten auf der Insel Idjwi im Kivu-See.  Die städtische Wasserversorgung, vom Technischen Hilfswerk nach dem Bürgerkrieg aufgebaut, ist zusammengebrochen, so dass in Bälde wieder mit Choleraausbrüchen zu rechnen sein wird.
Der katholisch Bischof  Ngabu weilt am Tag des Vulkanausbruchs nicht in Goma, als er zurückkehrte und die Katastrophe in ihren ganzen Ausmaßen erkannte, erlitt er einen Zuckerschock. Er wurde bewusstlos gefunden und schwebte für Stunden in Lebensgefahr. Er musste von einem Armeehubschrauber nach Kigali zur Behandlung geflogen werden.
Es gibt keine Versorgung mehr mit Lebensmitteln, Medikamenten und den Dingen des täglichen Lebens. Das Schul- und Universitätsleben ist größtenteils vernichtet. Die Hauptverkehrsstrassen liegen voll mit Lava. Die Behinderten haben keine Bleibe mehr. Die ohnehin schon schlechte Ernährungslage der Kinder Gomas wird drastische Folgen haben.
Und wie wird es nun weitergehen? Die ersten Bilder zeigen es! Die Menschen wollen ihre Stadt, die ihre Heimat ist, wiederaufbauen und neu beleben. Sie wollen keine Flüchtlingslager mehr mit denen sie nun schon 8 Jahre und länger leben müssen.
„Da kommen in den nächsten Monaten gewaltige Aufgaben auf uns zu. Bitte helfen Sie uns mit Ihrer Spende.“ So Dr. Bierbaum.
 

Senden Sie Email mit Fragen oder Kommentaren zu dieser Website
an: Wir für Ruanda ACA e.V.

Letzter Stand: Sonntag, 6. Dezember 2009